Friedensnobelpreis 1997: International Campaign to Ban Landmines \(ICBL\) — Jody Williams


Friedensnobelpreis 1997: International Campaign to Ban Landmines \(ICBL\) — Jody Williams
Friedensnobelpreis 1997: International Campaign to Ban Landmines (ICBL) — Jody Williams
 
Die ICBL, die sich für die Ächtung von Landminen einsetzt, und die Frau, von der dieser friedliche Feldzug in den 1990er-Jahren koordiniert wurde, wurden zu gleichen Teilen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
 
 Biografien
 
International Campaign to Ban Landmines (ICBL, Internationale Kampagne zur Ächtung von Landminen), 1992 in New York gegründet; weltweites Netzwerk von inzwischen über 1200 Friedens-, Abrüstungs- und humanitären Hilfsorganisationen, 1993 Einrichtung des Koordinationsteams und -komitees.
 
Jody Williams, * Brattleboro (Vermont) 9. 10. 1950; 1984-92 Koordinatorin verschiedener Entwicklungshilfeprojekte in Zentralamerika, ab 1991 im Dienst der Vietnam Veterans of America Foundation, 1992 Mitbegründerin der ICBL, ab 1993 in deren Koordinationskomitee.
 
 Würdigung der preisgekrönten Leistung
 
In vielen Ländern der Erde werden Kriege geführt, in anderen hat man Frieden geschlossen, doch auch dort geht der Krieg häufig insgeheim weiter, werden Menschen durch Kriegswaffen getötet und verstümmelt — Jahr für Jahr weltweit mindestens 25 000. Sie fallen Landminen zum Opfer, die während der Kriege im Boden verborgen und dann oft vergessen wurden. Schätzungsweise 100 Millionen Landminen ruhen noch als tödliche »Altlasten« der Kriege auf den ehemaligen Schlachtfeldern in mehr als 60 Staaten, zum Beispiel in Afghanistan, Kambodscha, Bosnien und Kroatien. Ganze Landstriche sind dort noch von den Sprengkörpern verseucht.
 
 Ein abstoßendes Waffenkonzept
 
Minen gehören zu den heimtückischsten Waffen. Viele der rund 600 bis 700 Minentypen wurden eigens zu dem Zweck konstruiert und ausgelegt, um Menschen zu töten und zu verletzen. Manche dieser so genannten Antipersonenminen sind sogar als Spielzeug getarnt und explodieren, wenn ein ahnungsloses Kind sie berührt, und stellen damit einen Waffentyp dar, der abstoßender und unmenschlicher kaum sein könnte.
 
Die Folgen eines Kontakts mit einer Mine sind fast immer verheerend. Sprengminen detonieren und zerfetzen die Glieder. Bei den Splitterminen löst sich der Mantel während der Explosion in feinste Partikel auf, die wie Geschosse tief in das menschliche Gewebe eindringen und auch durch Operationen nicht entfernt werden können. Bei »hüpfenden Minen« befördert eine kleinere Sprengladung den eigentlichen Sprengkörper zunächst bis in Bauch- oder Kopfhöhe, damit die Wucht der Detonation die empfindlichsten Körperteile trifft.
 
Die Minenopfer haben meist keine Chance. Selbst wer überlebt, ist oft schwer verstümmelt, wie der Kambodschaner Tun Channareth. Er verlor 1982 durch eine Landmine beide Beine und nahm im Dezember 1997 stellvertretend für alle Opfer den der International Campaign to Ban Landmines zuerkannten Friedensnobelpreis entgegen.
 
 Für eine Welt ohne Minen
 
Kaum kontrollierbare Vernichtungswaffen, die Soldaten, aber auch unbeteiligte Zivilpersonen treffen, sind nach der rund 100 Jahre alten Haager Landkriegsordnung eigentlich verboten. Mehrmals waren Minen deshalb Gegenstand von Konferenzen und Konventionen. Den Einsatz solcher Waffen haben diese Konventionen allerdings nicht verhindern können, sie wurden im Gegenteil immer häufiger eingesetzt.
 
Die Veteranen des Vietnamkriegs, die Anfang der 1990er-Jahre im Rahmen der Stiftung Vietnam Veterans of America Foundation (VVAF) in Mittelamerika Friedensarbeit leisteten, besaßen reichlich Erfahrung mit Minen. Durch sie wird Jody Williams erstmals mit dem Problem in Berührung gekommen sein, und seither ist die Pazifistin, die zunächst als Lehrerin unterrichtet und dann ab den 1980er-Jahren verschiedene Entwicklungshilfeprojekte in Nicaragua, Honduras und El Salvador geleitet hatte, die treibende Kraft hinter dem internationalen Feldzug für die Ächtung von Landminen.
 
Keimzelle der Bewegung war ein im November 1991 geschlossenes Bündnis der VVAF und der deutschen medico international. Bald erhielt es Verstärkung durch andere Organisationen, etwa Handicap International, Human Rights Watch oder Physicians for Human Rights, die im Oktober 1992 die Kampagne offiziell starteten. Heute, kaum ein Jahrzehnt nach der Gründung, hat sich International Campaign to Ban Landmines zu einem umfangreichen Netzwerk aus rund 1200 Einzelorganisationen in gut 60 Ländern entwickelt.
 
Der rasche Aufstieg ist im Wesentlichen Jody Williams zu verdanken, die es verstanden hat, in zahllosen Vorträgen und Zeitungsartikeln das in der Weltöffentlichkeit weithin unbekannte Problem publik zu machen und zugleich prominente Befürworter des Feldzugs wie die im August 1997 tödlich verunglückte Diana, Prinzessin von Wales, zu gewinnen. Auf nationaler Ebene wurde der internationale Feldzug durch zahlreiche Aktionen begleitet, etwa der symbolische »Minenteppich«, mit dem medico international im Sommer 1993 durch Deutschland zog. Rasch konnten erste Teilerfolge erzielt werden: Der UN-Generalsekretär kündigte eine Revision der Genfer Konvention von 1980 an, die UN-Generalversammlung empfahl einen Exportstopp von Antipersonenminen, der Papst und die Islamische Konferenz forderten ein generelles Verbot der Sprengkörper und schließlich unterzeichneten im Dezember 1997 Vertreter von mehr als 120 Staaten den so genannten Ottawa-Vertrag, der im März 1999 in Kraft getreten ist.
 
 Ein Vertrag räumt keine Minen
 
Die in der kanadischen Stadt verabschiedete Konvention verbietet sowohl die Produktion, die Lagerung, den Einsatz als auch die Weitergabe von Antipersonenminen, verpflichtet die Staaten zur Räumung minenverseuchter Gebiete und zur Bereitstellung finanzieller Mittel für die Minenopferhilfe. Eine Reihe von Staaten, darunter die USA und die Volksrepublik China, sind aber offenbar nicht bereit, auf Antipersonenminen zu verzichten, und haben den Vertrag deshalb bisher nicht unterzeichnet. Die US-Regierung kündigte allerdings andererseits an, die Minenräumung mit jährlich einer Milliarde US-Dollar zu unterstützen.
 
 Abhilfe als Finanzproblem
 
Die enorme Verbreitung von Antipersonenminen, vor allem in der Dritten Welt, ist dadurch begünstigt, dass solche Minen vergleichsweise billige Kriegswaffen sind. In der Produktion kostet eine Antipersonenmine durchschnittlich etwa fünf US-Dollar, für die Räumung müssen dagegen bis zu 1000 US-Dollar pro Mine aufgewendet werden. Bei flächendeckenden Räumungsaktionen wird daher selbst mit der Hilfe der USA und anderer Industrieländer im nächsten Jahrzehnt nur ein Bruchteil der ausgelegten Minen entschärft werden können.
 
P. Göbel

Universal-Lexikon. 2012.

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